Rockstar im Outback

Rockstar im Outback

Gross ist in Westaustralien so ziemlich alles. Auch der Mount Augustus. Der magische Berg gilt als grösster Fels der Welt.

Mit dem 4WD zum Mount Augustus

Vor Sonnenaufgang sind wir aufgebrochen. Jetzt beginnt die blaue Stunde der Morgendämmerung. Die langsam über den Horizont kletternde Sonne taucht die Landschaft in sich immer wieder verändernde Orange, Lavendel- und Blautöne. Diese frühmorgendliche Lichtsymphonie versöhnt uns, denn die nächsten zwei Tage werden durchaus strapaziös. Die raue Piste, die da auf dem Weg zum Mount Augustus vor uns liegt, empfängt uns mit Staub, Hitze und gleissendem Sonnenlicht.

Nach langen Stunden «on the road» taucht er plötzlich aus dem Nichts des staubigen Outbacks auf: der Mount Augustus – ein imposanter, leuchtend roter Sandsteinfelsen. Burringurrah nennen ihn die lokalen Aborigines. Er ist doppelt so gross und zwei Mal so hoch wie sein weltbekannter kleiner Bruder Uluru (Ayers Rock). Und dennoch haben nur die wenigsten Australier je von diesem heimlichen Rockstar des Outbacks gehört. Wir aber schon, und in den nächsten Tagen wollen wir mehr über diese magische Ecke im Norden Westaustraliens herausfinden.

Im Nationalpark gibt es keine Übernachtungsmöglichkeiten, also quartieren wir uns im Mount Augustus Tourist Park ein. Mit unserem 4WD Campmobil benutzen wir den praktisch ausgestatteten Campingplatz mit schattigen Bäumen. Es gibt auch einfache Hotelzimmer und Studios, einen Laden und eine Tankstelle. Ein Schild neben der Rezeption zeigt, wie abgelegen dieser Ort wirklich ist: Egal in welche Richtung Reisende aufbrechen, es erwartet sie eine Fahrt von 270 bis 420 Kilometer auf holprigen Outbackpisten. Wer in Eile ist, lernt hier draussen, nicht hektisch zu sein und sich die Zeit für die Schönheiten zu nehmen, die sich vor den Augen auftun.

Am nächsten Morgen sind wir früh auf den Beinen. Die Temperatur ist angenehm kühl und wir brechen zu einer der zahlreichen ausgeschilderten Wanderrouten auf, die zu spektakulären Aussichtspunkten führen. Nachdem unlängst der Aufstieg zum Uluru aus Respekt vor den Aborigines verboten wurde, ist die Wanderung zum Gipfel von Burringurrah von der hier ansässigen Aborigine-Gemeinde ausdrücklich gestattet.

Vom Flinstone Parkplatz ausgehend ist die Wanderung zum Gipfel und zurück zwölf Kilometer lang. Etwa sechs Stunden dauert sie, 650 Höhenmeter inklusive. Da wir früh losgezogen sind, wandern wir die ersten Kilometer noch im Schatten. Sobald uns die Sonne erreicht, wird es richtig heiss und wir sind froh, einen grossen Wasservorrat dabei zu haben. Der Schweiss läuft in Strömen. Aber das stört uns nicht, denn der sich immer wieder verändernde Ausblick auf das Umland scheint einfach nicht von dieser Welt zu sein. Immer wieder halten wir an und staunen, wortlos und überwältigt von dieser endlosen Outbacklandschaft. Jetzt, wo wir einiges an Höhe gewonnen haben, kommt etwas Wind auf. Obwohl die Temperatur mittlerweile auf über dreissig Grad angestiegen ist, kühlt die angenehme Brise.

Eidechsen flitzen über den Pfad. Bevor wir sie richtig sehen, haben sie sich auch schon ins hohe Gras zurückgezogen. Ein Wegstück führt durch ein trockenes Bachbett. Dann folgt noch ein letzte steile Passage und plötzlich sind wir da – wir stehen auf dem Gipfel des vermutlich grössten Steins der Welt. Mount Augustus ist kein Monolith, weil er aus mehreren Gesteinsarten besteht. Wir setzen uns erst einmal hin, um etwas auszuruhen. Wortlos blicken wir über den Felsen hinaus auf die ockerfarbige Landschaft, die in alle Richtungen am Horizont mit dem Himmel zu verschmelzen scheint.

Der Mount Augustus Nationalpark ist ein wahrhaftes Outback-Paradies. Neben den Wanderrouten gibt es auch die 49 Kilometer lange Selbstfahrertour ‘Burringurrah Drive’. Wegen unserer langen Wanderung am Vortag haben wir noch immer etwas bleierne Glieder, darum kommt uns diese Rundfahrt am nächsten Tag sehr gelegen. In gemächlichem Tempo und immer wieder stoppend umrunden wir den aus dem flachen Umland aufragenden Inselberg. Jetzt, am späten Nachmittag, sind wir zum Zeltplatz zurückgekehrt. Nach einem heissen Tag sitzen wir im Schatten eines knorrigen Eukalyptusbaums und gehen die vergangenen Tage in Gedanken durch. Ohne Worte zu wechseln sind wir uns einig: Dies ist Australien pur. Es ist das Land, das wir immer wieder bereisen und einfach nur lieben. Auch wenn die Anreise zum Mount Augustus lange dauerte, heiss und staubig war und die Weiterreise zur Küste des Indischen Ozeans in der Nähe von Coral Bay erneut zwei Tage auf Schotterpisten mit sich bringt: Genau deswegen wollten wir diesen Roadtrip machen.

Autor: Matthias Reimann

Reisetipp

Beste Reisezeit: April bis Oktober
Anreise: Nur mit 4WD-Fahrzeugen möglich.
Routenvorschlag: 9 Tage Selfdrive: Perth – Mount Magnet – Cue – Mount Augustus – Gascoyne Junction – Wooleen Station – Perth


Für Sie gefunden bei knecht reisen – aktuelle Westaustralien Reisen

Down Under hat mich schon immer fasziniert und als ich nach der abgeschlossenen Ausbildung 2006 in der Australien-Abteilung anfangen durfte, hat mich das Reisefieber für diese Destinationen noch mehr gepackt.

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