Roadtrip von Melbourne bis Adelaide: Ein Genuss für Augen, Gaumen und Seele

Roadtrip von Melbourne bis Adelaide: Ein Genuss für Augen, Gaumen und Seele

Warum eine Reise über die Great Ocean Road ins Barossa Valley unvergesslich bleibt. Die schönste Küstenstrasse und das beste Weinbaugebiet des Landes blieben von den Buschfeuern verschont.

Jetzt verstehe ich, warum Roger Federer Australien so liebt. Gut, seine sechs Titel in Melbourne mögen auch eine Rolle spielen. Aber den Schweizer Tennisstar verbindet mehr mit Down Under als nur Punkte, Sätze und Siege. Schon als 14-Jähriger habe er sich während eines Australienurlaubs mit seiner Familie in das Land verliebt, verriet Federer vor wenigen Wochen bei den Australien Open.

Dieses Jahr reichte es für Federer in Melbourne «nur» zum Halbfinale. Genossen haben wird er die Zeit in Victorias Hauptstadt dennoch. Wer würde das nicht? Die Frage kommt mir zwangsläufig in den Sinn, als ich entlang des Yarra-Flusses und vorbei an der Rod Laver-Arena radele. Auf den Hügeln vis-à-vis erstreckt sich der Botanische Garten. Pärchen liegen entspannt auf dem Rasen in der Sonne, weisse Papageien stolzieren über das Grün.

Victorias südöstliche Hauptstadt ist quirlig und lässig zugleich. Hinter den mit Graffitis überzogenen Häuserwänden im Zentrum werkeln Starköche, Künstler und Geschäftsleute. Sie alle arbeiten hart, am späten Nachmittag aber strömen sie in die Bars und Restaurants, um das Leben zu geniessen – auch mitten in der Woche.

Auf dem Queen Victoria Markt kaufe ich Proviant. Der grösste Open-Air-Markt der südlichen Hemisphäre bietet alles, von «German Bratwurst» über Känguru und Krokodil vom Grill bis hin zu frischem Seafood und Käse. Vieles kommt von der Küste, zu der ich mich jetzt mit meinem Mietwagen aufmache. Mein Ziel ist die Great Ocean Road, die gleich südwestlich von Melbourne beginnt.

Im Paradies der Surfer

Über 243 Kilometer windet sie sich die Küste entlang, die ein Paradies für Surfer ist. Überall stürzen sich Beachgirls und Beachboys mit ihren Brettern in perfekte Wellen. Einige Strände sind für Anfänger und kleine Kinder geeignet, andere wegen ihrer imposanten Brecher den Profis vorbehalten.

Im Surfernest Torquay schaue ich kurz im National Surfing Museum vorbei. Dann fahre ich weiter nach Lorne und am nächsten Tag bis Apollo Bay. Hinter jeder zweiten Kurve lege ich einen Fotostopp ein wegen dramatischer Steilküsten, langer Sandstrände, Leuchttürmen oder dicht bewaldeter Bergketten im Hinterland.

Und natürlich wegen Kängurus und niedlicher Koalas. Direkt bei Apollo Bay eröffnet im Sommer 2020 «Wildlife Wonders», ein Tierschutzreservat wie ein Märchenwald. Kein Wunder, schliesslich wurde der Park von Brian Massay geplant, einem Landschaftsarchitekten, der für  Fantasy-Blockbuster wie «Herr der Ringe» und  «The Hobbit» verantwortlich war.

Koala © Bernhard Krieger

Ganz real und doch fast unrealistisch schön sind die Twelve Apostels. Die vom Ozean umtosten Kalksteinfelsen östlich von Port Fairy betrachtet man am besten bei einem Hubschrauberflug. Die Küste ist überwältigend, dass Hinterland mit sanften Hügellandschaften aber nicht weniger schön. Am Food Trail reihen sich Farmen, Käsereien, Whisky-Destillerien und gute Restaurants wie das in der Timboon Distillery aneinander.

Great Ocean Road © Bernhard Krieger

Südaustralien – der Gourmet-Staat

Eine perfekte Einstimmung für die Weiterfahrt nach Südaustralien. Die Weinbaugebiete rund um Adelaide sind ein Paradies für Geniesser. Im Barossa Valley könnten Weinliebhaber zwischen den Hauptorten Angaston, Nuriootpa,Tanunda und Lyndoch ewig unterwegs sein.

Weinberge, Barossa Valley © Bernhard Krieger

«Wer Wein und gutes Essen mag, ist hier genau richtig», sagt Daniel Murphy. Der Chefkoch des Restaurants Appellation im Relais & Châteaux-Hotel The Louise ist einer der besten Küchenchefs im berühmtesten Weinbaugebiet Australiens. Er liebt die relaxte Atmosphäre im Barossa Valley. Die ist auch in den Gourmetrestaurants zu spüren – im Appellation genauso wie im St. Hugo oder im Hentley Farm, dem aktuell höchstdekorierten Lokal des Tals. Spitzenklasse auf den Tellern wird hier von coolen Typen mit Tattoos serviert.

Daniel Murphy, Restaurant Appellation © Bernhard Krieger

«Weinfans ist Barossa natürlich wegen erstklassiger Shiraz ein Begriff, aber es gibt noch viel mehr zu entdecken», erzählt Damien Tscharke. Der Winzer empfiehlt, so oft wie möglich einzukehren und Weine zu probieren. «Wo ‹Cellar Door›-Schilder hängen, sind Besucher zu Degustationen herzlich willkommen.» Sein eigenes Weingut liegt gleich gegenüber des Louise.

Tscharkes Familie stammt aus Deutschland und gehört zur ersten Auswanderer-Generation in Barossa. Zu den deutschen Wein-Pionieren zählten auch Johann und Johanna Seppelt, deren Weingut Seppeltsfield noch heute besteht. Mit dem guten Restaurant Fino, seinen Künstler-Ateliers und seiner historischen Portwein-Kollektion gehört das Weingut im gleichnamigen Ort zu den schönsten Australiens.

Die Port-Jahrgänge in den Holzfässern der historischen Lagerhalle reichen nahtlos zurück bis 1878. Für rund 56 Schweizer Franken darf man direkt aus dem Holzfass den Port seines Geburtsjahrgangs probieren. Diese Chance lasse ich mir natürlich nicht entgehen. Der bernsteinfarbene Port von 1967 ist noch erstaunlich fruchtig und frisch, auch wenn er sich im Mund wunderbar ölig anfühlt. Was für ein Abschluss meines Roadtrips. Jetzt verstehe ich Roger Federers Liebe zu Australien besser denn je.

© Bernhard Krieger

Autorin: Brigita Krieger


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Ich nutze jeden Ferientag zum Reisen, um fremde Länder, deren Kultur und Menschen kennen zu lernen. Ich liebe eine Mischung aus Selbstfahrer Strecken mit Camper oder Mietwagen sowie geführten Tages- / Mehrtagesausflügen wo man durch den Guide ausführliche Informationen erhält.

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