3Sat

Sender

3Sat
Category

Date

Dez 12 2019

Time

17:00 - 17:45

Event Art

Dokumentation

Kitzbühel – Ein Wintermärchen

Kitzbühel ist ein Mekka für prominente Urlauber und Pauschaltouristen. Innerhalb der vergangenen Jahrzehnte hat es sich vom Dorf zu einer der teuersten Städte in ganz Österreich entwickelt. „Almabtrieb? Das machen die in Reit im Winkl oder Sankt Johann. In Kitzbühel ist das ganze Jahr lang nur ‘Auftrieb‘“, sagt Josef Gruber schmunzelnd. Er muss es wissen: Der Bauer hat von Kitzbühels höchstem Almhof einen perfekten Überblick über das Tiroler Tal. In Kitzbühel gibt es allein im Winter 600 000 Übernachtungen bei knapp 10 000 Hotelbetten. In den Strassen und Gassen der herausgeputzten Altstadt reihen sich exklusive Modeläden, noble Restaurants und Hotels aneinander.

In der Saison wird rund um die Uhr gefeiert. Kitzbühel, von seinen VIPs kurz „Kitz“ genannt, gilt als mondän und als ein wenig verrucht. Gunter Sachs war da, ebenso wie Romy Schneider oder Arnold Schwarzenegger. Heute sind es Prominente wie Franz Beckenbauer oder Uschi Glas; milliardenschwere Russen lassen dort die Fünfsternehotels hochziehen. Bürgermeister Klaus Winkler versucht, zwischen den Bedürfnissen der auf Events „programmierten“ Urlauber und denen der verbliebenen Einheimischen zu vermitteln: Er streitet für bezahlbare Wohnungen und fürs traditionelle Image der Stadt und ist der Meinung, dass Geschichte verpflichtet. Immerhin ist Kitzbühel gut 800 Jahre alt. Kupferabbau und der Handel hatten den Ort bereits im Mittelalter wohlhabend gemacht. Und die Natur zwischen dem Kitzbüheler Horn, der Bichlalm, dem Hahnenkamm und dem Schwarzsee mit einem Panoramablick auf das Kaisergebirge hat ihren Charme bewahrt. Das ist auch ein Grund, dass Originale wie Hermann Pichler ihrem Dorf die Treue halten. Mitten in der glitzernden Altstadt führt er das „Huber-Bräu“, eine alteingesessene Schänke mit Tiroler Kost zu bürgerlichen Preisen. Pepi Eberharter macht selbst als Pensionär noch aus bester Milch aromatischen Bergkäse, Fini Sulzenbacher, die erste grüne Gemeinderätin Kitzbühels, kämpft jetzt für Jugendklubs, und der frühere Knecht und Bauer Lois Vötter hat noch im hohen Alter Fahrrad- und Skifahren gelernt. Selbst der weltgewandte Abenteurer Horst Ebersberg, der viele Jahre in Hollywood als Schauspieler und Schriftsteller arbeitete, kehrte wieder in seine Heimatstadt zurück.

Tiroler gelten als bodenständig und stur. Die alten Kitzbüheler zudem als ein wenig wehmütig. Die „goldenen Jahre“ nach dem Zweiten Weltkrieg, als einheimische Burschen des „Ski-Wunderteams“ um den legendären Toni Sailer Sporttrophäen einsammelten, sind vorbei. „Zu reich, zu satt sind die Jungen heutzutage hier“, bemerkt Schlagerstar Hansi Hinterseer, der in seiner Jugend selbst Medaillen in Skirennen einfuhr. Und Skilegende Horst Ebersberg meint, es sei schon „merkwürdig, wie ruhig es jetzt auf der Piste zugeht. Urlaub und Sport sollen doch Spass machen. Früher, da haben wir auf der Piste viel gelacht.“

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