Eintauchen in eine andere Welt

Eintauchen in eine andere Welt

Ein Besuch bei Aborigines öffnet die Augen für die Welt der Ureinwohner. Wenn man sie nicht gerade schliesst: Mit Campingplätzen auf ihrem Land bieten einige Aboriginal-Gemeinden Übernachtungsmöglichkeiten gleich in ihrer Nachbarschaft.

«Camping with Custodians» in Westaustralien

Was bedeuten die Felsbilder in den labyrinthartigen Mimbi Caves? Welche spirituellen Bande bestehen zwischen Aborigines und den Naturparadiesen Shark Bay oder Margaret River? Und welche Orte in Perth sind für die Ureinwohner auch heute noch von grosser Bedeutung? Auf geführten Touren gewinnen Interessierte tiefe Einblicke in das Leben der indigenen Bevölkerung Australiens. Weit mehr als 80 unterschiedliche Erlebnisse machen Westaustralien zur ersten Adresse für authentische Begegnungen mit den Ureinwohnern. Und die Zusammentreffen müssen nicht auf die Dauer eines Ausflugs begrenzt sein.

Mit dem Imintji Campground & Art Center eröffnete 2016 die erste Ureinwohner-Gemeinde einen Campingplatz auf Aboriginal-Gebiet in der Kimberley-Region. Gleich neben der berühmten Allrad-Piste Gibb River Road verfügt das Areal über rund 20 Zelt- beziehungsweise Stellplätze, Duschen, Toiletten und einen öffentlichen Grillplatz. Das Camp ist die ideale Basis für Erkundungstouren zur Bell Gorge, Windjana Gorge oder ins Höhlensystem Tunnel Creek und gleichzeitig ein Ort, an dem man ganz unkompliziert mit Ureinwohnern in Kontakt kommt.

Unter dem Oberbegriff «Camping with Custodians» möchte Tourism Western Australia kulturelle Begegnungen zwischen Ureinwohnern und Reisenden ganz bewusst fördern. Andere Gemeinden folgten dem Imintji-Beispiel bereits, etwa mit dem Mimbi Caves Campground an den Emmanuel Ranges oder dem Peedamulla Campground in Pilbara, 70 Kilometer von Onslow entfernt. Weitere Campingplätze auf Aboriginal-Land sollen in leicht erreichbaren Gegenden nahe beliebter Touristen-Routen folgen.

Geschichtenerzähler aus Leidenschaft

Die Einnahmen und die Schaffung von Arbeitsplätzen kommen den teilnehmenden Gemeinden zugute. Deren Gründe, ihre Kultur mit Besuchern zu teilen, reichen aber tiefer. Die meisten haben einfach eine Leidenschaft dafür. Immerhin gehört die Aboriginal-Kultur zu den ältesten der Welt, ihre Spur reicht 50 000 Jahre zurück. Und der Austausch mit anderen Menschen ist ein guter Weg, sie lebendig zu halten.

Für Reisende eröffnet sich dadurch eine kostbare Gelegenheit. Wie sonst sollten sie dem Land seine gut gehüteten Geheimnisse entlocken? Die Ureinwohner kennen ihre Heimat wie niemand sonst und führen Gäste zu abgelegenen Traumstränden, zu den besten Fischgründen oder auf versteckten Pfaden tief in den Busch. Als Stärkung gibt es ein traditionelles Bush Tucker und abends am Lagerfeuer lauscht man alten Überlieferungen aus der Traumzeit. 

In der recht jungen Imintji-Gemeinde befasst sich Edna Dale in ihren Geschichten und Kunstwerken mit dem kulturellen Erbe ihres Volks. Sie ist die Tochter von Jacke Dale, einem Ältesten vom Stamm der Ngarinyin. Der gründete die Community 1982 und gab ihr den passenden Namen, der übersetzt so viel wie «ein Ort zum Hinsetzen» bedeutet. An dieser Versammlungsstätte rasteten früher schon die Viehtreiber auf dem Weg nach Derby. Heute tun es ihnen erschöpfte Reisende gleich.

  • Mimbi Caves
  • Karijini Eco Retreat, Karijini National Park
  • Waringarri Aboriginal Arts Centre, Kununurra

Olympia als Wendepunkt

Dass Menschen aus aller Welt mittlerweile recht unkompliziert mit Aborigines in Kontakt kommen können, hängt auch mit den Olympischen Spielen 2000 in Sydney zusammen. Die angereisten Sportfans zeigten damals grosses Interesse an der Kultur der Ureinwohner – den Verantwortlichen jedoch fehlten die nötigen Informationen, um der Nachfrage gerecht zu werden. Noch im selben Jahr wurde ein National Indigenous Tourism Forum ins Leben gerufen.

Später baten die Forumsvertreter Westaustraliens die Regierung um Unterstützung beim Aufbau eines Netzwerks, das ihnen Gehör in der Tourismusindustrie des Landes verschaffen sollte. Dem daraufhin errichteten Western Australian Indigenous Tourism Operations Council (WAITOC) haben sich inzwischen mehr als 100 indigene Unternehmen angeschlossen. Mit verschiedenen Auftritten sind sie auch international präsent.

Die Imintji-Gemeinde hat bereits davon profitiert. Schwankt die feste Einwohnerzahl der nomadischen Ngarinyin zwischen lediglich 35 und 80, empfingen die Ureinwohner allein im Eröffnungsjahr ihres Campingplatzes zwischen Mai und Oktober knapp 1000 Besucher.

Vom Outback bis zur Küste

Andere Unterkünfte in Westaustralien stehen zwar nicht im Zeichen des direkten Kontakts zu Aborigines, befinden sich aber in deren Händen und sind nicht zuletzt wegen ihrer einmaligen Lage einen Abstecher wert. Eine davon ist das Karinji Eco Retreat im Karinji National Park. Die umweltfreundlich betriebene Anlage bietet luxuriöse Unterkünfte und dazu eine Reihe von Touren, von Wanderungen durch Schluchten und Buschlandschaften bis hin zu Abenteuerausflügen.

Eine weitere Anlaufstelle ist die riesige Home Valley Station. Dort erhalten Besucher Einblicke in den Alltag einer Outback-Rinderfarm. Sie übernachten im Schatten der majestätischen Cockburn Range am Pentecost River. Und an der Spitze der Dampier Halbinsel empfängt das Kooljaman Camp seine Gäste, die unter anderem zwischen Safarizelten, Blockhütten oder Stellplätzen wählen und in die wundervolle Unterwasserwelt am Cape Leveque abtauchen können.

Autor: Andreas Hottenrott


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Down Under hat mich schon immer fasziniert und als ich nach der abgeschlossenen Ausbildung 2006 in der Australien-Abteilung anfangen durfte, hat mich das Reisefieber für diese Destinationen noch mehr gepackt.

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