Eine Stadt wie ein Edelstein

Eine Stadt wie ein Edelstein

Die Hauptstadt der Philippinen schimmert in unterschiedlichen Facetten, vereint sie aber zu einem wundervollen Gesamtbild. Tradition und Geschichte einerseits und schillerndes Grossstadtleben andererseits liegen ganz nah beieinander.

Manila : Metropole der Gegensätze

Optisch macht es definitiv einiges her, mein Bamboo Bike. Aber erfüllt es auch seinen Zweck? Der Rahmen meines Velos besteht komplett aus Bambus. Wer jetzt an eine klapprige Holzkonstruktion wie aus einem Comic denkt: weit gefehlt! Das Material ist nicht nur ein Hingucker, die Halme machen das Gefährt stabil, leicht und dämpfen Stösse auf holprigen Gassen angenehm ab – gut für eine Rundfahrt durch Manila und ideal für die alten Distrikte!

Die Hauptstadt der Philippinen hat viele Gesichter. Die Metropole besteht aus ursprünglich 17 Städten, alle mit einem eigenen Charakter. An der Manila Bay prägen historische Bauten und imposante Mauern das Stadtbild, während in Chinatown die asiatische Seele Manilas lebt.

Im Finanzdistrikt Makati dagegen zeigt sich der geballte Erfolg der hiesigen Geschäfts- und Finanzwelt. Hier ragen mächtige Wolkenkratzer mit Glasfassaden in den Himmel, futuristisch, prachtvoll, zu ihren Füssen breite Boulevards und brummende Shopping-Malls, in denen es auf mehreren Etagen neben zig Geschäften auch Kinos, Bowling- und sogar Eislaufbahnen gibt.

Ein Blick aus dem Fenster meines Hotels lässt mich den Entschluss fassen, das Frühstück ganz gemächlich anzugehen. Im dichten Morgenverkehr Manilas scheint es eh kein Vorankommen zu geben. Dicht gedrängt stehen Autos, Busse und Roller auf fünfspurigen Strassen. Täglich strömen unzählige Menschen in die Metropole, die offiziell ohnehin schon rund zwölf Millionen Einwohner zählt.

Zeugen spanischer Kolonialezeit

Ich selbst starte den Tag lieber entspannt in Intramuros. Warum der Name des Stadtteils sich mit «innerhalb der Mauern» übersetzen lässt, ist offensichtlich. Mächtige, von den Spaniern im 16. Jahrhundert errichtete Bollwerke aus grau-braunem Stein umgeben die mehr als 50 Blocks. Mehr als 300 Jahre lang blieben die Spanier. So ging nicht nur die spanische Baukunst, sondern auch ihre Sprache in die Kultur des Landes ein. Viele Begriffe im Philippinischen haben ihren Ursprung im Spanischen.

Pflastersteinstrassen führen zu eindrucksvollen Sehenswürdigkeiten wie dem Casa Manila, einem spanischen Herrschaftshaus, oder der gegenüberliegenden San Agustin Kathedrale. Sie ist die älteste Steinkirche des Landes und ein weiteres Zeugnis des spanischen Erbes. Kein Wunder, dass viele das Land eher lateinamerikanisch, denn asiatisch geprägt empfinden.

Auf dem Weg zum Rizal Park passiere ich einige Pferdekutschen mit gelben Rädern, deren Besitzer und Zugtiere geduldig auf den nächsten Fahrgast warten. Der Park selbst präsentiert sich als eine Oase der Ruhe. Sogar ein Stück Regenwald befindet sich dort. Im Orchidarium and Butterfly Pavillon schlendere ich an tiefgrünen Farnen und glasklaren Wasserfällen vorbei, während die Luft von Schmetterlingen und dem Geruch der Orchideen erfüllt ist.

Weiter geht es für mich nach Chinatown. Der Blütenduft des Parks ist längst den Aromen exotischer Teesorten und mir unbekannter Heilkräuter gewichen. Die mit Lampions geschmückten Geschäfte in der Ongpin Street werben mit farbigen Schildern um Kundschaft, die unter anderem auf der Suche nach günstigem Goldschmuck fündig wird. Gut essen kann man in Chinatown übrigens auch. Mit dem Ambos Mundos befindet sich hier das älteste Restaurant des Landes.

Für Schlaflose

Dass es neben New York mindestens noch eine Stadt auf diesem Planeten gibt, die niemals schläft, stelle ich am Abend fest. Zu später Stunde öffnen die angesagten Clubs mit Top-DJs und Bars mit Live-Musik ihre Tore und laden Nachtschwärmer ein zu Parties oder einfach ein paar gemütlichen Drinks. Auch im Freien sitzen Leute zusammen und unterhalten sich bei einem gut gemixten Cocktail. Dabei blicken sie auf ein herrliches Bild, das die hell erleuchteten Hochhäuser auf die Bucht der Stadt zeichnen. In der Dunkelheit entsteht ein strahlendes Abbild der Skyline mit all ihren Lichtern auf der glatten Wasseroberfläche.

Am nächsten Tag fühle ich mich bereit für etwas mehr Aufregung. Und dafür gibt es keinen besseren Ort als Quiapo. Das Herz Manilas lässt die Metropole regelrecht pulsieren. Auf dem Markt feilschen Händler und Käufer unter Sonnenschirmen und Markisen um Lebensmittel, Schmuck, Kleidung und Souvenirs. Die Waren sind auf engstem Raum verteilt, kein Zentimeter Platz wird verschenkt. Quiapo ist genauso typisch für Manila wie die junge Szene der Metropole mit ihren vielen top Restaurants und den coolen Bars, die Manila zu einem Hotspot für junge Reisende macht.
Mit einem neuen T-Shirt gehe ich hinüber zur Jeepney-Station. Jeepneys, das sind die umgebauten, knallig bunten Jeeps, von denen die grössten knapp 20 Personen Platz bieten. Als günstiges Hauptverkehrsmittel rattern Hundertausende davon durch Manilas Strassen. Wer bei seinem authentischen Manila-Erlebnis ein wenig Komfort schätzt, bucht eine Fahrt in einem privaten und klimatisierten Luxusjeepney.

Der vielleicht kleinste Vulkan der Welt

Jedes der Fahrzeuge ist ein Unikat und wie sie gefertigt werden, sehe ich in einer Fabrik ausserhalb Manilas. Dort lege ich einen Zwischenstopp nach meinem Besuch des Taal Vulkans ein. Der Feuerberg selbst ist mit rund 300 Metern Höhe nicht unbedingt ein Gigant, nach einem knapp halbstündigen Aufstieg zum Gipfel aber blicke ich auf einen idyllischen Kratersee mit türkisfarbenem Wasser und über dicht bewaldete Hänge.

Zurück in Manila suche ich mir ein Restaurant, das hervorragende Meeresfrüchte serviert. Es heisst, man verstehe die Stadt erst beim zweiten oder dritten Besuch so richtig. Ich freue mich auf ein Wiedersehen – richtig sympathisch waren wir uns schon bei der ersten Begegnung.

Autor: Andreas Hottenrott

Ich liebe es zu reisen und neue Kulture kennenzulernen. Momentan bereise ich in meinen Ferien die Städte und schönen Orte Europas.

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