Eine Expedition ist wie eine lange Meditation

Eine Expedition ist wie eine lange Meditation

Einsamkeit, Eiseskälte und unendliche Wildnis: Wo andere in Panik geraten, geniesst Ursula Giger die Stille. Regelmässig unternimmt die Skandinavistin extreme Polartouren. Die REISEWELTEN sprachen mit ihr über ihre Liebe zu Island, ihre Grönland-Durchquerungen und den Traum von einer Expedition in die Antarktis.

Frau Giger, was fasziniert Sie so an Kälte und Einsamkeit?
Ich kann mit Wärme schlecht umgehen – ertrage keine Hitze. Kälte hat für viele etwas Feindliches, Abweisendes. Aber mich fasziniert sie, denn sie ist ehrlich, direkt, unvermittelt. Mir ist es wohl bei minus 20 Grad Celsius. In Grönland habe ich auch schon bei minus 40 Grad Celsius campiert. Und auf einer Expedition lange Zeit unterwegs zu sein, langsam, also Schritt für Schritt vorwärtszugehen und dabei wegen der Kälte kaum mit den anderen zu reden, das putzt den Kopf durch. Es ist ein Glückszustand, aber kein euphorischer, sondern ein ruhiger, zufriedener Zustand.

Einsamkeit heisst für mich nicht, alleine zu sein

Und ist es nicht auch ein wohltuender Kontrast zum hektischen Alltag?
Absolut! Wir leben in einer Zeit, in der wir mit Schlagworten wie «Work-Life-Balance» um uns werfen. Dabei befinden wir uns alle im Hamsterrad, arbeiten viel zu viel und weil es gerade hipp und angesagt ist, machen wir dafür etwas Yoga zum Ausgleich (lacht). Einsamkeit heisst für mich nicht, alleine zu sein, im Gegenteil. Auf einer Expedition ist man mit einem Team unterwegs und bereist zusammen einsame Gegenden. Aber wenn es klirrend kalt ist, fällt das Sprechen schwer. Oft schweigen wir stundenlang. Dann bleibt sehr viel Zeit zur Reflektion. Ich habe auch schon versucht, stundenlang auf einem Meditationskissen zu hocken. Aber irgendwie schaffe ich es dabei nicht, einen Ruhezustand zu erreichen, wie ich ihn auf einer Expedition erlebe.

Ihre Liebe zum hohen Norden Europas hat früh begonnen. Sie haben als 17-jährige Austauschschülerin ein Jahr in Schweden verbracht. Was hat Sie dort damals so fasziniert?Schon vor diesem Austauschjahr habe ich meine Patentante einmal auf eine Reise nach Skandinavien begleitet. Wir waren vier Wochen in Schweden, Finnland und Norwegen. Ich denke, dass mich da schon das «Nord-Virus» befallen hatte. An meiner Schule war es damals nicht üblich, dass man sich für einen Sprachaufenthalt ins Ausland begab. Aber meine Eltern unterstützten mich in meinem Wunsch und so zog ich in die schwedische Hauptstadt, um dort ein Musikgymnasium zu besuchen. In Stockholm habe ich dann haufenweise interessante Leute kennengelernt und mich auch deswegen sehr schnell wohlgefühlt.

Sie haben einmal gesagt, Sie hätten Island «durch die Hintertür» entdeckt? Was meinten Sie damit?
Zwei Jahre nach meiner Zeit in Schweden stieg wieder der Wunsch in mir auf, für eine Weile gen Norden zu ziehen. Island war damals praktisch unbekannt. Ich dachte mir: Die Insel gehört zu Skandinavien und Schwedisch spreche ich schon, also fahre ich da mal hin. Nach länger andauernder Korrespondenz mittels Briefen – 1995 gab es weder Email noch Internet – hatte ich eine Bauernfamilie gefunden, bei der ich für ein paar Monate gegen Kost, Logis und einen kleinen Lohn arbeiten konnte. Mein Chef holte mich am Flughafen Akureyri – hunderte Kilometer nördlich der Hauptstadt Reykjavík – ab. Auf der folgenden Autofahrt sprach der Bauer unaufhörlich auf mich ein – und plötzlich merkte ich, dass Isländisch sehr wenig mit Schwedisch gemeinsam hatte. Durch Enkelkinder der Familie habe ich anfänglich viel von der isländischen Sprache gelernt. Meine Schwedisch-Kenntnisse halfen mir etwas, aber die Illusion, dass Isländer automatisch Schwedisch verstehen, musste ich schon auf dem Transfer vom Flugplatz zu meiner Gastfamilie begraben. (lacht). Die Bauernkultur ist in Island tief verwurzelt, da es historisch gesehen ein Landwirtschaftsland und keine Fischereination ist. Im Norden stieg ich somit im «Mittelalter» ein, in einer Gesellschaft, wie sie seit langem in den zahlreichen Sagas beschrieben wird. Damit entdeckte ich Island also durch die geographische und gleichzeitig die soziale und historische «Hintertür».

Sie haben Skandinavistik studiert und sich auf Isländisch spezialisiert. Sie sind an zwei Unis als Lehrbeauftragte aktiv, gleichzeitig aber einige Monate im Jahr als Trekking-Guide unterwegs. Brauchen Sie diese Kontraste?
Ja, durch meine vielseitigen Tätigkeiten bin ich in einer sehr glücklichen Lage. Für diese Abwechslung in meinem beruflichen Umfeld bin ich sehr dankbar.

Stellen Sie sich bitte folgendes Szenario vor: Sie befinden sich in einem Aufzug und haben fünfzehn Sekunden Zeit, die Frage «was machen Sie beruflich?» zu beantworten. Welche Berufsbezeichnung würden Sie sich geben?
Am treffendsten finde ich: «Kulturbegeisterte Skandinavistin, die gerne draussen ist». An diesem Punkt würde ich wohl gleich noch anführen, dass ich an zwei Unis Isländisch lehre und im Sommer oft als Reiseleiterin in Island und Grönland unterwegs bin.

In einem Zeitungsinterview haben Sie einmal vom «Goldenen Zeitalter» der Pol-Forschung gesprochen und dabei Namen wie die Norweger Fridtjof Nansen und Roald Amundsen oder den britischen Antarktis-Pionier, Ernest Shackelton, erwähnt. Was fasziniert Sie an ihnen?
Insbesondere die Tatsache, dass diese frühen Polar-Entdecker mit vergleichsweise einfachen Hilfsmitteln losgezogen sind. Wenn ich mir überlege, welche Ausrüstungsvielfalt heute zur Verfügung steht – von Navigation bis Bekleidung, von Ernährung bis zum High Tech-Schuhwerk, dann kann ich vor den Leistungen dieser Pioniere nur den Hut ziehen. Mit meinem Vorbild Shackelton verbindet mich übrigens nicht nur die Begeisterung für die Polar-Regionen, sondern auch das gemeinsame Interesse für Literatur. Shackelton las viel Gedichte und hatte auf Expeditionen auch immer Gedichtbände dabei. In einem Teil meines «anderen» Lebens ausserhalb der Expeditionstätigkeit arbeite ich als Literaturvermittlerin und Kulturmanagerin.

Sie sind an der Planung einer Antarktis-Expedition. Wie weit sind Sie mit den Vorbereitungen?
Es ist tatsächlich ein Traum von mir, an den Südpol zu gelangen. Für mich ist dies wie ein logischer nächster Schritt nach den Grönland-Expeditionen. Diese Idee verfolge ich schon seit längerem, die Planung und Vorbereitung nimmt viel Zeit in Anspruch. Ich bin zuversichtlich, dieses ganz grosse Ziel in nicht allzu ferner Zukunft zu realisieren: Auf den Spuren des britischen Polar-Forschers Ernest Shackelton führt die geplante Route über etwa 1300 Kilometer. Diese Strecke wird etwa 60 Tage Zeit in Anspruch nehmen.

In einigen Sportarten besteht ein Trend hin zu Extremen. Ultra und Giga sind Begriffe, die beinahe inflationär angewendet werden. Was stellt für Sie den Reiz, die Herausforderung einer Polar-Expedition dar?
Obwohl ich mir bewusst bin, in mancherlei Hinsicht auch mit Extremwerten konfrontiert zu sein: Eine solche Expedition ist mit der richtigen Vorbereitung, Vorsicht, Behutsamkeit und der richtigen Ausrüstung ein durchaus kalkulierbares Risiko. Und wenn wirklich einmal alle Stricke reissen, haben wir immer noch Satelliten-Telefone dabei. Bei einer Antarktis-Traverse sind wir verpflichtet, einmal alle 24 Stunden mit einer Basis-Station Kontakt aufzunehmen. Im 21. Jahrhundert ist man auf einer Expedition, wie wir sie planen, immer nur ein paar Flugstunden von medizinischer Grundversorgung entfernt. Trotzdem darf man eine solche Tour auf keinen Fall auf die leichte Schulter nehmen.

Der Kopf wird entleert und von Ballast befreit

Sie bezeichnen sich selbst als «Langdistanzmenschen». Wenn Sie aufbrechen, liegen oft Hunderte Kilometer wie etwa der Jakobsweg in Spanien oder die Expedition von Grönlands Ost- an die Westküste vor Ihnen. Was fasziniert Sie an diesen Entfernungen?
Einfach da «draussen» zu sein, dieses meditative, tage- und wochenlange Gehen in einer im Detail unglaublich schönen, aber im Grossen und Ganzen für das Auge reizlosen Umgebung haben es mir angetan. Unterwegs bleibt sehr viel Zeit, um nachzudenken. Der Kopf wird entleert und von Ballast befreit. Es ist etwas sehr Dauerhaftes und wie eine Meditation, die lange, sehr lange dauert. Und diesen Zustand möchte man wieder und wieder und intensiver erleben.

Bei Ihrer zweiten Grönland-Durchquerung im Sommer 2016 sind Sie auf einer bedeutungsvollen Strecke unterwegs gewesen.
Ja, auf dieser von Norwegen aus organisierten Expedition folgten wir der Originalroute des norwegischen Polarpioniers Fridtjof Nansen von seiner Erstüberquerung im Jahr 1888. Diese Streckenführung war nicht nur landschaftlich abwechslungsreich, sondern eben auch historisch wichtig. Mit einem Boot ging es erst viele Stunden der Küste entlang. Danach gab es während mehreren Tagen unzählige Nunataks, Berge, die aus dem Eis emporragen. Und die letzten vier Tage mussten wir in Bergschuhen durch ein Tal bis an die Küste im Innersten eines Fjordes trekken. Ein Expeditions-Kollege und ich hatten Nansens Buch von seiner mühevollen Expedition dabei und lasen immer wieder darin.

Der norwegische Polarfahrer Børge Ousland hat einmal gesagt: «Reifen ziehen stärkt die Muskeln an Rücken, Beinen und Po – und bildet den Charakter». Sie sind häufig in der Umgebung von Basel auf Trainingsrunden unterwegs und ziehen Autoreifen hinter sich her. Wie reagieren Menschen, denen Sie dabei begegnen?
Na ja, die meisten Nachbarn in Basel kennen mich mittlerweile, die wenigsten schütteln noch den Kopf. Aber wer mich zum ersten Mal entweder mit zwei oder drei Reifen oder gleich ganzen Autorädern im Schlepptau sieht, denkt sich vermutlich schon das eine oder andere (lacht). Dieser Teil meines körperlichen Trainings ist aber enorm wichtig, denn er stärkt tatsächlich die Rücken- und Beinmuskulatur in einer Art, wie es kein anderes Gerätetraining tut. Wenn ich auf Schnee und Eis eine bis zu 100 Kilogramm schwere Pulka ziehe, kommt mir das Reifentraining sehr zugute.

Wie trainieren Sie sonst noch für diese extremen Belastungen auf einer Expedition?
Neben dem erwähnten Reifentraining wandere ich sehr viel. Dabei lade ich mir einen möglichst schweren Rucksack voll und ziehe auch in der Schweiz schon mal vier, fünf Tage los. Daneben schwimme ich auch regelmässig. Ich mag zwar Hallenbäder nicht, aber kühles Seewasser macht mir wenig aus. Weiter mache ich auch ganz normales Kraft- und Geschicklichkeitstraining, damit ich möglichst vielseitig und gleichmässig belastet und gefordert werde. Regelmässige Physiotherapie gehört ebenfalls zu meinem Trainingsplan.

Und wie bereiten Sie sich mental vor?
Die Vorbereitung ist vielfältig und beinhaltet unter anderem Listen schreiben, Material testen und bearbeiten, Gespräche führen, lesen und recherchieren. Ich setze mich auch mit mir selbst auseinander – wer ein Projekt wie eine Antarktis-Expedition plant, sollte im Gleichgewicht sein und diverse Dinge in seinem persönlichen Umfeld klären.

Welche Rolle spielen Ärzte in der Vorbereitung und während einer Expedition?
Bei einer Expedition mit ausserordentlicher körperlicher Beanspruchung spielt die medizinische Vorbereitung eine wichtige Rolle mit. Mein Hausarzt ist zum Beispiel eine Vertrauensperson für mich. Auch Physiotherapie hilft enorm bei der Vorbereitung, aber auch nach einer anstrengenden Tour (lacht). Zu meinen Reiseleiter-Tätigkeiten in Island und Grönland gehörte auch eine medizinische Grundausbildung dazu. Ein medizinisches Grundverständnis ist für eine Antarktis-Expedition unerlässlich.

Wie soll man sich als Nicht-Eingeweihter das Zusammenleben auf einer solchen Expedition vorstellen – vier Personen, die alle voneinander abhängig sind und sich über zwei Monate lang und 1300 Kilometer zu Fuss irgendwie vertragen sollten?
Auf meiner ersten Grönland-Durchquerung waren wir mit vierzehn Personen unterwegs – etwas viel für meinen Geschmack. Bis fünf Personen ist überschaubar, mehr wird umständlich und es kann zu echten Spannungen führen. Aber ein grundlegendes Vertrauen muss vorhanden sein, jede und jeder in der Gruppe muss sich auf seine Mitreisenden verlassen können. Klimatische und körperliche Extremsituationen können bei ungeübten Teilnehmern zu grossem psychischem Druck führen. Wenn es gut läuft, hat man aber jede Menge Spass unterwegs. Zeit hat man ja eigentlich im Überfluss zum Nachdenken, Lachen und Quatschen, oder Schweigen.

In Grönland träumte ich von Pizza Hawaii

Reisen und gutes Essen gehört für viele zusammen – auf einer Polar-Expedition aber ist das wohl eher nicht der Fall. Wie kochen Sie in der Wildnis?
Essen auf einer Expedition hat nichts mit Kulinarik zu tun. Man muss schlicht und einfach essen, und zwar viel, konstant und immer wieder. Auf einer Eis-Expedition verbraucht der Körper bis zu 7000 Kalorien – pro Tag. Ein beträchtlicher Teil des Kalorienverbrauchs erklärt sich mit der Kälte. Der Körper muss vielmehr «heizen», um seine Temperatur zu halten. Mit Fleiss und viel Disziplin schafft man die Einnahme von etwa 5000 Kalorien. Also muss man sich vor einer Expedition ein paar Kilo anfuttern (lacht). Unterwegs essen wir dann sehr viel Zuckerhaltiges und Fettiges. Ein Snickers oder Gummibärchen ist plötzlich wie ein Kindergeburtstag! In Grönland träumte ich von Pizza Hawaii, aber eines ist sicher: Nichts schmeckt so gut wie die ersten paar «normalen» Gerichte nach einer Expedition. Salat, knackiges Gemüse, saftige Früchte oder ein frisches, warmes und wohlduftendes Brot – einfach herrlich!

Was bedeutet Heimat für Sie?
Ich bin in der Ostschweiz aufgewachsen. Am Walensee habe ich meine Wurzeln. Aber ich möchte dort nicht mehr wohnen. Mein Zuhause ist sowohl in der Schweiz wie auch in Island. An beiden Orten fühle ich mich wohl und geborgen. Auch Sprache ist eine Art von Heimat. Da ist es natürlich ein Vorteil, dass ich Isländisch spreche. Und es ist ganz wichtig für mich, dass ich an beiden Orten Freunde habe. Es macht nichts, wenn man sich ein paar Monate nicht sieht, dafür ist das Wiedersehen dann jeweils umso herzlicher! Auch wenn ich regelmässig zwischen der Schweiz und Island hin- und herreise, ist und bleibt die Schweiz meine Heimat.

Sie haben sich einmal als «Zug-Junkie» bezeichnet. Was meinten Sie damit?
Stimmt, aber dafür gibt es eine ganz einfache Erklärung: Ich habe kein eigenes Auto, aber ein Generalabonnement. Durch meine Tätigkeiten an den Unis in Basel und Zürich, meine Familie in der Ostschweiz, Mandate im Kleintheater-Betrieb in der ganzen Schweiz und Freunde in allen vier Landesteilen bin ich passionierte Zugfahrerin. Oft empfinde ich eine längere Zugfahrt wie eine ausgedehnte Etappe mit Skiern und Schlitten: fast meditativ, entspannend und beruhigend. Mir gefällt das Zug-Netz in der Schweiz sehr gut.

Wohin zieht es Sie ausser nach Island, Grönland und Skandinavien auf diesem Planeten?
Nun, da ich mit wärmeren Temperaturen ja nicht so gut klar komme, sind viele Länder und Regionen südlich der Schweiz für mich eher tabu. Mich würde es schon interessieren, Länder wie Portugal oder Italien oder vielleicht sogar Marokko mal zu bereisen. Gerade die italienischen Vulkane würde ich gerne mal aus der Nähe sehen. Aber da ich die Sprachen nicht beherrsche, finde ich die Idee nicht so spannend. Ich muss mich mit den Leuten unterhalten können. Da ich in den Ferien nicht an einem Ort still sitzen könnte, ist dies noch viel wichtiger. Ich spreche die Sprachen nicht, also bleibe ich bei meinen Lieblingsdestinationen im Norden.

Wie sieht Ihre ideale Ferienreise aus?
Ich bin eben aus Island zurückgekommen, diesmal war ich nur ein paar Tage dort. In drei Tagen fahre ich nach Norwegen. Erst ein paar Tage in Oslo, dann geht es hoch in die Finnmark, wo auf einem Gebiet, welches etwas grösser als die Schweiz ist, gerade mal 80 000 Menschen leben. Beim Überqueren der Finnmarksvidda, einer Hochebene, wird es kein WLAN geben, nur ganz viel Platz und Ruhe. Ach ja: eine Pulka werde ich dort oben natürlich wieder hinter mir herziehen und in der Wildnis mein Zelt aufschlagen…

Was nehmen Sie auf jede Reise mit?
(Lacht) Bis vor ein paar Wochen war es ein kleiner Eisbär. Der hat mich über Jahre treu begleitet, jetzt habe ich ihm offiziell den Ruhestand gegönnt. Ich habe einmal für Freunde einen Kalender kreiert. Auf den Kalenderbildern war der Bär jeweils an verschiedenen Orten abgebildet. So hat er sie durchs Jahr begleitet. Sein Nachfolger ist übrigens ein Pinguin. Ob auch er ein Kalendermotiv wird, weiss ich allerdings noch nicht!

Biografie: Ursula Giger

Ihre Berufsbezeichnung liest sich wie ein Querschnitt durch den Personalbereich einer mittelgrossen Firma: Ursula Giger ist Skandinavistin, Universitätsdozentin, Übersetzerin, Literaturvermittlerin, Kulturmanagerin, Theater-Inspizientin, Tour Guide, Reiseleiterin, Polar-Fachfrau und bald auch noch Antarktis-Abenteurerin. Als Siebzehnjährige verbrachte sie ein Austauschjahr an einem Musikgymnasium in Schweden. Während dieser Zeit verliebte sich Giger in den Norden Europas und später in die Polarregion, die seitdem ihr Leben bestimmen. Während andere bei jeder Gelegenheit in den warmen Süden reisen, zieht es Giger in die entgegengesetzte Richtung: «Ab Null Grad wird es mir langsam wohl. Bei minus Dreissig und Schneesturm in Grönland ein Biwak aufzubauen, macht Spass!»

Giger bezeichnet sich selbst als «Langdistanzmenschen». Innerhalb von sechs Wochen ist sie 800 Kilometer des Jakobswegs von den Pyrenäen nach Santiago de Compostela im Nordwesten Spaniens gelaufen. Auch Grönland, die grösste Insel der Welt, hat sie zweimal zu Fuss durchquert. Anstelle eines Rucksacks zog sie auf der knapp 600 Kilometer langen Strecke eine Pulka, eine bis zu 75 Kilogramm schwere, schlittenähnliche Transportwanne. Giger lebt und arbeitet in der Schweiz, Island und Grönland. Wenn sie in der Schweiz weilt, ist sie oft mit dem Zug unterwegs. Sie nennt sich selbst einen Zug-Junkie. «Bahnfahren ist meditativ», sagt Giger. «Ich schätze, ähnlich wie bei langen Wanderungen oder Expeditionen, die Zeit und Ruhe des Zugfahrens.»
Im Moment bereitet sie sich auf eine Antarktis-Expedition vor: Ihr Plan ist, vom Rand des antarktischen Schelfs zu Fuss 1300 Kilometer zum geografischen Südpol zu laufen. Giger folgt damit den Fussstapfen ihres grossen Vorbilds, dem britischen Entdecker und Polarforscher Sir Ernest Shackelton, der vor über 100 Jahren den weissen Kontinent erforschte.

Autor: Matthias Reimann

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